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Dr. Sonja Gipper

Allgemeine Sprachwissenschaft
Institut für Linguistik
D-50923 Köln

Tel: +49-221-470-6328
Fax: +49-221-470-5947

E-Mail: sonja.gipper[at]uni-koeln[dot]de

Abgeschlossene Projekte

Documenting theories and practices of language socialization in the context of endangerment: A pilot study on Yurakaré 2025

Das Yurakaré ist aufgrund eines Bruchs in der Weitergabe stark gefährdet. Und doch verfügen viele Kinder zumindest über einige passive Kenntnisse der Sprache. Was sind die verbleibenden Nischen, in denen Yurakaré noch an Kinder weitergegeben wird? Und welche Rolle spielen lokale Theorien und Praktiken der Sprachsozialisation bei der Unterbrechung der Weitergabe? Dieses Projekt befasst sich mit diesen Fragen, indem es Theorien über die Sprachsozialisierung der Yurakaré dokumentiert und die Aufzeichnung der Yurakaré-Kindersprache in verbleibenden Übertragungsgebieten erprobt.

Yurakaré Glottobank 2022-2023

In diesem Projekt haben wir Daten zum Yurakaré (Isolat, Boliven) zu drei Datenbanken der Glottobank gesammelt: Grambank, Lexibank und Numeralbank. Hierbei konnten wir auf unsere langjährige Erfahrung als Team zurückgreifen, das seit mehr als 15 Jahren an der Dokumentation und Beschreibung der Yurakaré-Sprache zusammenarbeitet: Jeremías Ballivián Torrico, ein Yurakaré-Sprecher mit umfangreicher Erfahrung in der Datenerhebung und -verarbeitung, und Sonja Gipper, eine auf die Yurakaré-Sprache spezialisierte Linguistin. Diese Kombination ermöglichte es uns, bei der Datenerhebung zwei unterschiedliche Perspektiven auf die Sprache zusammenzubringen. Wir sind dankbar für die Finanzierung des Projekts durch ELDP und das DLCE (Department of Linguistic and Cultural Evolution, Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology, Leipzig, Deutschland). Die im Projekt erhobenen Daten sind auf der Seite des Archivs ELAR zugänglich.

Conversational Priming in Language Change 2021-2022
Förderung durch Excellent Research Support Programme der UzK, Förderformat FORUM
 

Dieses Projekt beschäftigt sich mit Sprachwandel, insbesondere mit Wandel im Bereich der Grammatik. Es untersucht die Frage, wie grammatikalische Neuerungen sich in einer Sprechergemeinschaft verbreiten und letztendlich zur Norm werden. Das Hauptziel ist, zu ergründen, inwieweit das Konzept von Conversational Priming durch konventionalisierte Wiederholungen als Antworten auf Entscheidungsfragen die Verbreitung neuer Formen begünstigt, da dies ein wichtiger Faktor sein könnte. Dazu untersucht das Projekt zunächst Wandel im Bereich der Grammatik. Es ist jedoch durchaus möglich, dass auch Wandel im Bereich des Lexikons oder der Phonologie auf diese Weise begünstigt wird. Wiederholende Antworten (Wiederholungen) sind in vielen Sprachen zusätzlich zu oder anstelle von Partikeln wie ja und nein zu finden (vgl. Holmberg 2016; Enfield et al. 2019; Gipper 2020). In diesen Sprachen wiederholt ein Gesprächspartner eine Entscheidungsfrage des anderen Gesprächspartners (oder einen Teil davon), um sie zu beantworten. Verwendet Sprecher A also eine innovative Form in einer Frage, wird Sprecherin B sie wahrscheinlich wiederholen. Da Sprecherin B diese Form nun aktiv verwendet, gelangt sie leichter in ihr eigenes grammatikalisches System. Unter der Annahme, dass sich Neuerungen im Bereich der Grammatik auf diese Weise verbreiten kann man erwarten, dass es zu Asymmetrien hinsichtlich der Geschwindigkeit, in der sich solche Neuerungen ausbreiten, kommt. Zum Beispiel sollten sich innovative Verbformen in Sprachen mit Personenmarkierung schneller in der 3. Person Singular als in der 1. und 2. Person Singular ausbreiten. Denn in einer Sequenz aus Frage und Antwort muss ein Verb in der 3. Person exakt wiederholt werden, während ein Verb in der 1./2. Person nicht exakt wiederholt wird. Dies wird in dem folgenden Beispiel aus dem Russischen deutlich, wo das finite Verb wiederholt werden muss um eine Entscheidungsfrage zu beantworten:

(1) Ty letiš’ v Pariž? – Leču. / Ne leču.
‘Wirst du nach Paris fliegen?’ – ‘Ja.’ / ‘Nein.’
(2) Ja leču v Pariž? – Letiš’. / Ne letiš’.
‘Werde ich nach Paris fliegen?’ – ‘Ja.’ / ‘Nein.’
(3) Masha letit v Pariž? – Letit. / Ne letit.
‘Wird Masha nach Paris fliegen?’ – ‘Ja.’ / ‘Nein.’

Wenn gezeigt werden kann, dass solche synchronen Asymmetrien sich in der diachronen Entwicklung von bestimmten grammatikalischen Formen widerspiegeln, stellt dies klare Evidenz zugunsten der Hypothese dar, dass Conversational Priming ein wichtiger Faktor bei der Verbreitung neuer Formen im Bereich der Grammatik ist.
Die Arbeitshypothese liegt thematisch im Kernbereich der Key Profile Area VI Skills and Structure in Language and Cognition der UzK, die „die Spannung zwischen dem je individuell verschiedenen Verhalten von Personen, die sprachlich kommunizieren, und den generellen Strukturen, die aus ihrer Interaktion entstehen“, untersucht. Der Erfolg des Projekts würde einen Schritt zum Hauptziel der Key Profile Area VI bedeuten, d.h. „ein neues Modell von Sprache und Kommunikation zu entwickeln“ und dabei „die folgenden drei Ebenen miteinander zu verknüpfen: individuelles Verhalten, die sich daraus immer wieder neu kristallisierenden sprachlichen Strukturen und die zugrundeliegenden kognitiven Mechanismen“.

Referenzen

Enfield, Nick J., Tanya Stivers, Penelope Brown, Christina Englert, Katarina Harjunpää, Makoto Hayashi, Trine Heinemann, Gertie Howmann, Tiina Keisanen, Mirka Rauniomaa, Chase W. Raymond, Federico Rossano,Kyung-Eun Yoon, Inge Zwisterlood & Stephen C. Levinson. 2019. Polar Answers. Journal of Linguistics 55(2). 277–304.

Gipper, Sonja. 2020. Repeating Responses as a Conversational Affordance for Linguistic Transmission: Evidence from Yurakaré Conversations. Studies in Language 44(2). 281–326.

Holmberg, Anders. 2016. The Syntax of Yes and No. Oxford: Oxford University Press.

Projektleiter*innenEugen HillSonja Gipper & Martin Becker

MitarbeiterPascal Coenen, M.A.

Variation und Spracheinstellungen im Yurakaré: Auf dem Weg zu einer sprachvergleichenden Perspektive (DFG) 2016-2020

Dieses Projekt untersucht sprachliche Variation im Yurakaré, einer isolierten Sprache, die im bolivianischen Amazonasgebiet von ca. 2.000 Menschen gesprochen wird. Variationsmuster zeigen systematische Relationen zu sozialen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Region, soziale Gruppe und Stil. Diese Erkenntnisse stammen jedoch zu großen Teilen aus Studien zum Englischen und zu wenigen anderen großen westlichen Sprachen. Unser Wissen über Variation und Spracheinstellungen in kleinen, nicht-westlichen Sprachen ist hingegen relativ gering, obwohl die existierenden Studien zu kleinen Sprachen zeigen, dass diese sich bezüglich ihrer Variationsmuster von großen westlichen Sprachen unterscheiden können. Um ein umfassenderes Bild von sprachlicher Variation in den Sprachen der Welt zu erhalten, sind viele weitere Fallstudien zu Variation in verschiedenen Sprachen nötig. Eine solche Fallstudie soll in dem vorgeschlagenen Projekt durchgeführt werden. Das Projekt verfolgt drei Ziele: Als erstes Ziel sollen Variationsmuster im Yurakaré ausfindig gemacht und beschrieben werden. Hierzu wird eine Korpus-Studie anhand des DobeS-Yurakaré-Korpus durchgeführt. Um die Ergebnisse zu verifizieren, wird dann eine Feldstudie in der Form von strukturierten Interviews in zwei Yurakaré-Dörfern durchgeführt. Hierbei werden systematische Sprachdaten von Sprechern erhoben, die alle relevanten sozialen Gruppen repräsentieren. Das zweite Ziel des Projekts betrifft die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Variation und Spracheinstellungen. Dieses Ziel ist ebenfalls Teil der strukturierten Interviews, bei denen Daten zur Wahrnehmung bestimmter sprachlicher Varianten, zur sprachlichen Sozialisation der SprecherInnen und zu ihren Einstellungen zu bestimmten Varianten erhoben werden. Das dritte Ziel des Projektes ist die Erforschung der Relation zwischen sprachlicher Variation auf der Ebene der Einzelsprache und sprachlicher Diversität. Zur Erreichung dieses Ziels kooperiert die Antragstellerin mit Nicholas Evans von der Australian National University in Canberra. In seinem Projekt The Wellsprings of Linguistic Diversity erforschen er und seine KollegInnen diese Frage. Hierzu werden Fallstudien in Sprachgemeinschaften unterschiedlicher sozialer Organisation durchgeführt. Das hier vorgeschlagene Projekt stellt eine weitere Fallstudie dar, die mit dem Amazonasgebiet eine der sprachlich diversesten Regionen der Welt repräsentiert.

Kontaktperson: Dr. Sonja Gipper

Projektmitarbeit

2018-2021Mitglied im Forschungsnetzwerk "Interaktionale Linguistik - Diskurspartikeln aus sprachvergleichender Perspektive" finanziert von der DFG (Deutsche Forschungsgesellschaft). Projektleitung: Martin Pfeiffer.
2017-2021Mitglied im Projekt "Cross-linguistic patterns in the encoding of three-participant events - investigating BRING and TAKE (continuation)" finanziert von DobeS (Dokumentation bedrohter Sprachen), Volkswagen Stiftung. Projektleitung: Anna Margetts.
seit 2016Mitglied im Projekt "SCOPIC (Social Cognition Parallax Interview Corpus) Project" finanziert von ARC (Australian Research Council), Anneliese Maier Research Award für Nicholas Evans (Alexander von Humboldt Foundation), ARC Research Centre for the Dynamics of Language (CoEDL). Projektleitung: Nicholas Evans.
seit 2015Mitglied im Scientific Board des Projekts STORYTEL – At the roots of multimodality: Learning from smarphonebased audiovisual recordings of conversational storytelling, gefördert von Erasmus+ (kofinanziert von der Europäischen Union). Projektleitung: Anna Bonifazi. 
2016-2019Associate investigator im Projekt "The Wellsprings of Linguistic Diversity" finanziert von ARC (Australian Research Council). Projektleitung: Nicholas Evans.
2016-2020Leitung im Projekt “Variation and language attitudes in Yurakaré: Setting out for a cross-linguistic perspective” finanziert von der DFG (Deutsche Forschungsgesellschaft).
2009-2011Co-applicant im Projekt "The documentation of Yurakaré (extension)" finanziert durch DobeS (Dokumentation bedrohter Sprachen), Volkswagen Stiftung. Projektleitung: Rik van Gijn.
2006-2009Doktorandin im Projekt "The Documentation of Yurakaré" finanziert von DobeS (Dokumentation bedrohter Sprachen), Volkswagen Stiftung. Projektleitung: Rik van Gijn.