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Variation und Spracheinstellungen im Yurakaré: Auf dem Weg zu einer sprachvergleichenden Perspektive

(DFG, 04/2016-03/2019)

Dieses Projekt untersucht sprachliche Variation im Yurakaré, einer isolierten Sprache, die im bolivianischen Amazonasgebiet von ca. 2.000 Menschen gesprochen wird. Variationsmuster zeigen systematische Relationen zu sozialen Faktoren wie Alter, Geschlecht, Region, soziale Gruppe und Stil. Diese Erkenntnisse stammen jedoch zu großen Teilen aus Studien zum Englischen und zu wenigen anderen großen westlichen Sprachen.
Unser Wissen über Variation und Spracheinstellungen in kleinen, nicht-westlichen Sprachen ist hingegen relativ gering, obwohl die existierenden Studien zu kleinen Sprachen zeigen, dass diese sich bezüglich ihrer Variationsmuster von großen westlichen Sprachen unterscheiden können. Um ein umfassenderes Bild von sprachlicher Variation in den Sprachen der Welt zu erhalten, sind viele weitere Fallstudien zu Variation in verschiedenen Sprachen nötig. Eine solche Fallstudie soll in dem vorgeschlagenen Projekt durchgeführt werden.

Das Projekt verfolgt drei Ziele: Als erstes Ziel sollen Variationsmuster im Yurakaré ausfindig gemacht und beschrieben werden. Hierzu wird eine Korpus-Studie anhand des DobeS-Yurakaré-Korpus durchgeführt. Um die Ergebnisse zu verifizieren, wird dann eine Feldstudie in der Form von strukturierten Interviews in zwei Yurakaré-Dörfern durchgeführt. Hierbei werden systematische Sprachdaten von Sprechern erhoben, die alle relevanten sozialen Gruppen repräsentieren. Das zweite Ziel des Projekts betrifft die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Variation und Spracheinstellungen. Dieses Ziel ist ebenfalls Teil der strukturierten Interviews, bei denen Daten zur Wahrnehmung bestimmter sprachlicher Varianten, zur sprachlichen Sozialisation der SprecherInnen und zu ihren Einstellungen zu bestimmten Varianten erhoben werden. Das dritte Ziel des Projektes ist die Erforschung der Relation zwischen sprachlicher Variation auf der Ebene der Einzelsprache und sprachlicher Diversität. Zur Erreichung dieses Ziels kooperiert die Antragstellerin mit Nicholas Evans von der Australian National University in Canberra. In seinem Projekt The Wellsprings of Linguistic Diversity erforschen er und seine KollegInnen diese Frage. Hierzu werden Fallstudien in Sprachgemeinschaften unterschiedlicher sozialer Organisation durchgeführt. Das hier vorgeschlagene Projekt stellt eine weitere Fallstudie dar, die mit dem Amazonasgebiet eine der sprachlich diversesten Regionen der Welt repräsentiert.